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Kapitel 01
Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04
Kapitel 05
Togo
Ourobou Saharou

Transkript

Mein Name ist Tchakpedeou Ourobou Arafat. Er ist etwas lang. Tchakpedeou ist mein Familienname und die beiden anderen sind meine Vornamen. Ourobou ist der traditionelle Name und Arafat ist der islamische Name. Ich bin 1972 geboren und 2000 habe ich Togo verlassen und bin nach Deutschland gekommen. Erstmal lebte ich in Hamburg und 2004 bin ich aus familiären Gründen nach Schwerin gezogen, wo ich Koch gelernt und diesen Beruf bis 2012 ausgeübt habe. Dann habe ich eine Umschulung zum Kaufmann Groß- und Außenhandel gemacht und schließlich eine Weiterbildung zum Tagespflegevater.

Ich komme ursprünglich aus Bafilo. Aber gelebt habe ich in Sokodé. Sokodé ist eine schöne Stadt, mitten in Togo und sie ist sehr multikulturell geprägt. Fast alle großen Politiker Togos haben ihre Schul- und Universitätszeit in Sokodé verbracht. Es bereitet Freude dort zu leben. Dass Togo einst eine deutsche Kolonie war, ist in Sokodé heute noch zu sehen. Das zweite Gymnasium von Togo wurde in Sokodé gebaut. Es ist wirklich eine schöne Stadt, in der man gut leben kann. Auch, wenn gewisse Politiker dafür gesorgt haben, dass die Stadt ein bisschen von ihrem guten Weg abgekommen ist.

Schwerin kann man nicht mit Hamburg vergleichen und auch nicht mit einer Stadt wie Sokodé. Als jemand mit einer afrikanischen Mentalität ist es hier schwer. Ich bin es gewohnt frei zu leben, keine Fragen zu stellen, mich frei zu bewegen und zu tun, was ich möchte. Als ich kam war es schwer – jetzt ist es besser und es gibt immerhin Geschäfte, die man besuchen kann. Damals gab es nur Büros und Ämter und es war schwierig einen Job zu finden. Damals war der Rassismus in Schwerin hart im Vergleich zu Hamburg. Es war ein Schock. Aber ich hatte keine Wahl, es ging um meine Familie. Überall wo ich bin versuche ich meine Zukunft und meinen Erfolg aufzubauen. Ich habe versucht mich auf die positiven Seiten Schwerins zu konzentrieren. Eigentlich hatte ich vor weiter zu studieren. Als ich hierherkam habe ich alles versucht, damit das klappt. Aber mir wurde gesagt, ein Studium könnte nicht unterstützt werden von der Bundesagentur für Arbeit. Ich habe mich bis zum Innenministerium durchgekämpft. Durch mein Engagement hatte ich Kontakts dahin – das läuft sehr schnell bei mir: Ich komme und baue meine Kontakte auf. Sie war sehr offen zu mir: „Herr Tchakpedeou es ist gut, dass sie studieren möchten, aber sie bekommen keinen Platz. Wir machen das nicht. Es gab zu viele Afrikaner, die wir unterstützt haben, die das Studium nicht geschafft haben und deswegen machen wir das nicht mehr.“ Der zweite Grund: Ich war als Flüchtling in Deutschland. Um zu studieren hätte ich nach Togo zurückreisen und ein Studentenvisum beantragen müssen. Es hat nicht geklappt. Schließlich habe ich realisiert an welchem Punkt ich bin, was von mir erwartet wird und wie ich mir ein Leben aufbauen kann. Es war nicht einfach….

Ich sage immer: Kraft und Ziel verbinden sich. Wenn du wirklich ein Ziel hast, musst du dafür Kraft haben. Wenn du von vereinsintern weißt, der Weg wird lang, dann musst du dich vorbereiten für alles, was kommt. Ich haben eine Familie und ich wollte nicht immer diese Jobs machen, die keine Zukunft haben. Also musste ich eine Lösung finden. Ob ich dafür genug Kraft habe oder nicht, interessiert dann in diesem Moment niemanden. Man schaut sich die Möglichkeiten an und sucht sich davon eine aus. Ich wollte nicht Koch werden. Bei uns Koch ist kein Beruf. Kochen ist bei uns Frauensache. Wenn man als Mann diesen Beruf ausübt, fragen sich andere, was du für eine Person bist. Ich hatte von der Diakonie ein Angebot Steuerberater zu werden. Dann hatte ich von einem Restaurant, in dem ich als Tellerwäscher arbeitete, auch ein Angebot die Ausbildung zum Koch zu machen. Ich musste eine Entscheidung treffen. Also habe ich mir Mecklenburg-Vorpommern angeschaut und mich gefragt, mit welchem Beruf ich schnell Kontakte zu anderen Menschen knüpfe. Dann habe ich mich entschieden doch Koch zu werden. Steuerberater war gut was die Reputation angeht, aber ob ich danach in diesem Beruf arbeiten kann, war fraglich. Deshalb habe ich mich entschieden Koch zu werden und das war eine gute Entscheidung. Es hat mir wirklich geholfen schnell Menschen kennenzulernen und mich zu integrieren.

Warum Couleurs Afrik? Warum dieser Verein? Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und in Togo wächst eine neue Generation heran, die nicht beschenkt werdend möchte. Sie wollen selber aktiv sein und Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir leben in einer globalisierten Welt. Ich habe beschlossen davon zu profitieren und zu handeln. Warum Projekte in Sokodé durchführen? Weil ich dort gelebt habe. Als ich Kind war und etwa die achte Klasse besuchte, gab es auf dem Schulweg viele Flüsse und deshalb auch Gemüseanbau. Wenn man dort vorbeikam war es kühl und angenehm. Man fuhr mit den Rad durch und spürte die frische Luft auf der Haut. Jedes Jahr schickte meine Mutter mich dorthin, um für bestimmte Anlässe frisches Gemüse zu kaufen. Viele Jahre später kam ich dort vorbei und habe gemerkt, dass diese Ecke nicht mehr existiert. Die Flüsse waren weg. Alles war trocken. Das war ein Schock. Denn es bedeutet, die neue Generation wird nie in den Genuss kommen das zu erleben. Warum ist das so? Müll. Der Müll wird überall weggeschmissen und zerstört die Natur. Als ich nach Deutschland kam bemerkte ich, dass es hier anders ist, alles ist sauber. Ich glaube, Geld und Sauberkeit gehören zusammen. Wo es unordentlich ist, gibt es keine Investitionen. Ich hatte also die Idee oder den Traum, die Situation von damals wiederherzustellen. Und Ordnung in die Stadt zu bringen. Über Umweltschutz kann mal viel entwickeln. Momentan laufen vier Projekte zu diesen Themen in Sokodé, die sich ergänzen. Und mit Personal, das davon lebt. Außerdem versuchen wir auch das Thema Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern voranzutreiben. Wir haben wirklich viel geschafft.

Es gibt ein Gartenprojekt, das eine Frauenkooperative leitet. Es gibt ein Agrarprojekt, das durch Investitionen entstanden ist. Finanziert wird es über Privatgelder von Deutschen, die das Projekt gut finden und unterstützen. Wir haben Vereinbarungen getroffen darüber, wie dieses Geld genutzt wird und unter welchen Bedingungen es zurückgezahlt wird – das ist alles geregelt. Es gibt auch hier lebende Togoer, die investiert haben. Wir haben auch eine Schusterwerkstatt, ebenfalls durch Privatinvestitionen finanziert. Wir haben auch ein Kompost- und ein Müllprojekt. Das sind fünf Projekte! Ich denke, man muss diese fünf Projekte erst mal nachhaltig machen, sicher gehen, dass die Menschen,die in diesen Projekten arbeiten davon leben können. Allein das Müllprojekt hat eine Laufzeit von fast 10 Jahren. Ich glaube wir haben viel zu tun. Und man darf auch nicht vergessen: Es sind zwei verschiedenen Kulturen, die zusammenarbeiten: Afrikaner und Deutsche. Das erfordert eine Menge Energie. Deshalb denke ich, wir machen erst mal mit diesen fünf Projekten weiter und irgendwann schauen wir, was wir noch machen können.

Espoire plus ist unser Partnerverein. Der Vorsitzende war hier wegen des Afrikatages, weil er Anwalt war und wir in eingeladen hatten. Seitdem haben wir versucht mit Espoire Plus dieses Müllprojekt zu machen. Das ist ein Verein, der durch unser Projekt groß geworden ist. Als wir uns kennenlernten war es ein Verein, der kleine Schulprojekte durchführte. Durch uns haben sie viel gelernt über internationale Zusammenarbeit und internationale Konzepte, wie man ein Unternehmen führt. Trotz vieler Schwierigkeiten bin ich zufrieden, dass wir es geschafft haben bis heute zusammenzuarbeiten. Es ist schwer in Afrika eine Vertrauensperson zu finden. Wenn unsere Buchhalterin sagt, ich bin zufrieden, dann ist das die Grundlage von allem. Wir freuen uns wirklich sehr mit dem Verein zusammenzuarbeiten.

Transkript von Ourobou